10 „Goldene Regeln“ für die Arbeit mit Flüchtlingen

Frau_GespraechAm 19.10.2015 fand eine Infoveranstaltung im Bonner Stadthaus mit Rechtsanwalt (RA) Jens Dieckmann/Bonn zum Thema Herausforderung Migrationsberatung – 10 „Goldene Regeln“ für die Arbeit mit Flüchtlingen statt. Ergänzt um Anmerkungen lauten diese:

1. Die Arbeit mit Flüchtlingen wird IHR Leben verändern – seien Sie bereit und offen dafür.
Dieckmann betonte, dass die Arbeit mit Flüchtlingen einen langen Atem und Geduld verlange und viel Zeit in Anspruch nehmen kann.

2. Halten Sie stets Balance zwischen Empathie und „professioneller“ Distanz!
Dieckmann empfiehlt KEINE Weitergabe der privaten Handy-Nummer und KEINE Betreuung rund um die Uhr.

3. Migrationsberatung ist Nichts für Zwischendurch!
Migrationsberatung hat und braucht einen Zeithorizont. Die Hilfsstrukturen brauchen Kontinuität und Vertretungsregelungen – es darf nicht nur an einer Person hängen.

4. Nehmen Sie die Menschen, mit denen Sie arbeiten, nicht (nur) als „Opfer“ wahr, sondern -stets auf Augenhöhe – vor allem als Klienten!
Dieckmann empfiehlt, zunächst das Anliegen der schutzsuchenden Person zu verstehen (denn sie hat die Entscheidung getroffen, ihr Land zu verlassen) und erst dann dieses Anliegen unterstützen. Der Berater soll der schutzsuchenden Person NICHT seine eigene Ansicht aufzwingen und nichts beschönigen, sondern deutlich machen, dass er eine realistische Lösung anstrebt. „Wir schulden eine aufrichtige und illusionslose Darstellung des Möglichen und Erreichbaren sowie Ehrlichkeit!“

5. Klären Sie gleich zu Beginn der Beratung/Begleitung die Spielregeln: Was machen Sie? Was machen Sie nicht?
Dieckmann empfiehlt, die Spielregeln transparent darzustellen und festzulegen – das sei ganz legitim und diene der Sache.

6. Polizei, Ausländeramt, Justiz: Haben Sie immer Respekt vor der Rolle derjenigen, mit denen Sie in Ihrer Arbeit zu tun haben!
Das Ausländerrecht macht es den Bearbeitern leichter „Nein“ statt „Ja“ zu sagen. Diekmann empfiehlt, eine gute „Kommunikationskultur“ zur/mit der Gegenseite aufzubauen und zu pflegen.

7. „Gesagt, getan!“ – Lassen Sie Ankündigungen gegenüber Behörden stets Taten folgen, wenn Sie „Druck“ aufbauen wollen!
Telefonate und persönliche Vorsprachen sind nur dann bedeutsam, wenn sie in der Amtsakte enthalten sind. Empfehlung: Schaffen Sie eine „Papierlage“, indem Sie im Nachgang zu Telefonaten und persönlichen Vorsprachen den Inhalt schriftlich mitteilen und so zur Akte geben.
Die Gerichte stehen in der Regel auf Seiten der Antragsteller/Anwälte und drohen deshalb nach Ablauf der gesetzlichen Frist (im Ausländer- und Asylrecht 6 [statt sonst 3] Monate) ggf. Untätigkeitsklage unter Fristsetzung an. Das wirke oft Wunder und bringe die Sache voran. Nach Ablauf der Frist dann aber auch die Untätigkeitsklage erheben – sonst verpufft die Wirkung.

8. Erkennen und akzeptieren Sie Ihre eigenen Grenzen – fachliche und persönliche!
und

9. Hand in Hand statt nebeneinander – Gemeinsam mehr für Flüchtlinge erreichen durch Kooperation von Ehrenamt, professionellen Beratungsstellen und RechtsanwältINNen!
Dieckmann empfiehlt, den Dingen ihre Komplexität zu lassen und nicht zu versuchen, diese aufzudröseln und Unbekanntes in der Folge zu vernachlässigen, sondern stattdessen vielmehr die entsprechende Expertise dazu holen. Auch sollte man sich nicht übernehmen und nicht zu viele Menschen betreuen zu wollen. Man schafft maximal 2 Familien gleichzeitig. Dieckmann empfiehlt ferner, dass (etwa bei notwendiger anwaltlicher Beratung/Vertretung) auch die schutzsuchende Person einen finanziellen Beitrag (er verlangt max. 30 Euro/Monat) leistet. Finanzielle Unterstützung gibt es u.a. durch „pro asyl“. Schließlich empfiehlt Dieckmann, bei Unterschriften, die die schutzsuchende Person leisten muss (für Anträge/Vollmachten etc.), festzuhalten, in welchem Rahmen dies erfolgt ist (u.a. Rückübersetzung, Sprachmittler etc.).
10. Wie umgehen mit Erfolg? Wie umgehen mit Niederlagen?
Beides will gelernt sein!

Am Ende verwies Dieckmann auf die recht gute Internetseite der GGUA (Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender):

http://www.einwanderer.net/UEbersichten-und-Arbeitshilfen.2…

Unter dem Stichwort „Projekt „Q-Qualifizierung der Flüchtlingsberatung“ bietet GGUA bundesweit Fortbildungen, Schulungen und Seminare für haupt- und ehrenamtliche BeraterInnen an. Arbeitshilfen zu unterschiedlichen Themengebieten können Ihnen die Arbeit erleichtern.

http://www.ggua.de/Projekt-Q-Qualifizierung-der-Fluechtling…

Weitere hilfreiche Tipps zu Rechtsfragen findet Ihr bei www.asylkompass-alfter.de unter Aktuell und Nützliches/Downloads/Ratgeber für Ehrenamt.

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